HÄUFIGE FRAGEN
Antworten auf eure häufigsten Fragen
Ihr habt Fragen rund um Autismus, unsere Förderung oder den Weg zum Jugendamt? Hier findet ihr Antworten – ehrlich, verständlich und ohne Fachchinesisch.
Rund um die Förderung
Muss mein Kind eine offizielle Autismus-Diagnose haben?
Eine offizielle Diagnose ist hilfreich – aber nicht in jedem Fall zwingend erforderlich. Entscheidend ist, ob bei eurem Kind Teilhabebarrieren bestehen, die fachlich auf autistische Besonderheiten zurückgeführt werden können.
Für die Beantragung der Eingliederungshilfe beim Jugendamt wird in der Regel ein ärztliches oder psychologisches Gutachten benötigt. Wir helfen euch dabei, den richtigen Weg zu finden.
Unser Tipp:
Nehmt einfach Kontakt zu uns auf – auch wenn die Diagnose noch nicht feststeht. Gemeinsam schauen wir was möglich ist.
Was kostet die Förderung?
Für euch als Familie in der Regel nichts. Die autismusspezifische Förderung wird über das Jugendamt als Eingliederungshilfe nach § 35a SGB VIII finanziert – sofern ein entsprechender Bedarf festgestellt wurde.
Das Jugendamt prüft den Bedarf, erlässt einen Bewilligungsbescheid und schließt mit uns eine Leistungsvereinbarung ab. Ihr zahlt nichts direkt.
Wir wissen, wie verwirrend das Hilfesystem sein kann. Deshalb begleiten wir euch durch diesen Prozess – von der ersten Anfrage bis zur Bewilligung.
Wie bekomme ich die Bewilligung vom Jugendamt?
Der Weg zur Bewilligung läuft in der Regel so ab:
1. Ihr wendet euch an das Jugendamt in eurem Landkreis und beantragt Eingliederungshilfe nach § 35a SGB VIII.
2. Das Jugendamt beauftragt eine ärztliche oder psychologische Stellungnahme zur Feststellung der seelischen Behinderung oder drohenden seelischen Behinderung.
3. Es findet ein Hilfeplangespräch statt, in dem gemeinsam Ziele und Leistungsumfang festgelegt werden.
4. Das Jugendamt stellt einen Bewilligungsbescheid aus.
Wichtig:
Wir können euch bei der Vorbereitung auf das Hilfeplangespräch unterstützen – das ist ausdrücklich Teil unserer Arbeit.
Wie lange dauert eine Förderung?
Das lässt sich pauschal nicht sagen – und das ist auch gut so. Die Förderung richtet sich nach dem individuellen Bedarf eures Kindes und wird im Hilfeplan festgelegt.
Bewilligungen werden in der Regel für sechs oder zwölf Monate erteilt und dann im Hilfeplangespräch überprüft und bei Bedarf verlängert. Manche junge Menschen werden über viele Jahre begleitet – andere erreichen ihre Ziele schneller.
Wichtig: Die Förderung kann bis zum 27. Lebensjahr fortgeführt werden, wenn weiterhin Bedarf besteht.
Was ist der Unterschied zwischen autismusspezifischer Förderung und Schulbegleitung?
Eine Schulbegleitung unterstützt euer Kind direkt im Unterricht – sie ist am schulischen Lernort tätig und hilft beim Mitmachen im Schulalltag.
Unsere autismusspezifische Förderung geht weit darüber hinaus. Sie findet in allen Lebensbereichen statt – zu Hause, in der Freizeit, bei Behörden, auf dem Weg in die Ausbildung. Sie ist individuell geplant, hat konkrete Förderziele und schließt Elternarbeit, Krisenprävention und Schnittstellenarbeit ein.
Beide Leistungen können gleichzeitig bestehen – sie dürfen sich aber nicht überschneiden.
Was passiert wenn mein Kind die Förderung ablehnt?
Dann beginnen wir nicht. Das ist bei uns kein Satz – das ist ein Grundprinzip.
Wir wissen, dass viele autistische junge Menschen schlechte Erfahrungen mit Unterstützungsangeboten gemacht haben. Vertrauen muss aufgebaut werden – das braucht Zeit und kann nicht erzwungen werden.
Wenn ein junger Mensch beim Kennenlernen signalisiert, dass er die Förderung nicht möchte, informieren wir das Jugendamt transparent und suchen gemeinsam nach einem anderen Weg – sei es ein anderer Träger, ein anderer Ansatz oder veränderte Rahmenbedingungen.
Unterstützung, die nicht gewollt ist, wirkt nicht. Das wissen wir aus Erfahrung.
Arbeitet Ihr auch mit jungen Erwachsenen?
Ja. Wir begleiten junge Menschen bis zum 27. Lebensjahr, wenn weiterhin Unterstützungsbedarf besteht. Gerade der Übergang vom Jugend- ins Erwachsenenleben ist für viele autistische Menschen besonders herausfordernd – vertraute Strukturen enden, neue Anforderungen kommen.
Rechtsgrundlage ist dann § 41 SGB VIII in Verbindung mit § 35a SGB VIII. Die Bewilligung erfolgt durch das Jugendamt im Einzelfall.
Wie wir Arbeiten
Was passiert beim ersten Kontakt?
Ihr ruft uns an oder schreibt uns – ganz unkompliziert. Wir führen zuerst ein Erstgespräch ausschließlich mit den Eltern oder Sorgeberechtigten. Euer Kind ist dabei noch nicht dabei – bewusst so, damit es nicht das Gefühl bekommt, dass über es gesprochen wird.
Im Erstgespräch hören wir zu: Was ist die aktuelle Situation? Was habt ihr schon versucht? Was wünscht ihr euch?
Danach vereinbaren wir ein Kennenlerntreffen mit dem jungen Menschen – ohne Erwartungsdruck, ohne Agenda.
Kommt jemand zu uns nach Hause?
Ja – wenn das sinnvoll und gewünscht ist. Unsere Förderung findet dort statt, wo das Leben stattfindet. Das kann zu Hause sein, in der Schule, im Sozialraum, beim Arzt, bei Behörden oder in unseren Räumlichkeiten.
Wo die Förderung stattfindet, richtet sich nach dem individuellen Bedarf und wird gemeinsam besprochen.
Geht das, was ich euch erzähle ans Jugendamt?
Nein – nicht ohne euer Wissen und eure Zustimmung. Was ihr uns erzählt, bleibt bei uns. Wir unterliegen der Schweigepflicht und gehen vertraulich mit allem um, was ihr uns anvertraut.
Informationen geben wir nur weiter, wenn ihr das ausdrücklich möchtet. In sehr seltenen Ausnahmesituationen, in denen ein Kind ernsthaft gefährdet ist, sind wir wie alle pädagogischen Fachkräfte gesetzlich zum Handeln verpflichtet – aber auch dann würden wir zuerst das Gespräch mit euch suchen.
Wir sind eure Partner – keine Kontrolleure. Offenheit und Vertrauen sind die Grundlage unserer Arbeit. Ohne das kann Unterstützung nicht wirken.
Wie viele Stunden Förderung bekommt mein Kind?
Das entscheidet das Jugendamt auf Basis des festgestellten Bedarfs. Die Stundenzahl wird im Hilfeplan festgelegt und kann je nach Situation variieren – von wenigen Stunden pro Woche bis zu mehreren Stunden täglich.
Wir arbeiten mit dem was bewilligt ist und richten die Förderung so aus, dass die verfügbare Zeit bestmöglich genutzt wird.
Wie werden wir als Eltern einbezogen?
Von Anfang an und regelmäßig. Elternarbeit und Elterncoaching sind bei uns kein Zusatz – sie sind fester Bestandteil jeder Förderung.
Wir treffen uns mindestens einmal im Monat mit euch, um zu besprechen: Was hat in der Förderung funktioniert? Was können wir zu Hause gemeinsam umsetzen? Wie geht es euch als Familie?
Denn eine Förderung kann nur wirken, wenn das was erarbeitet wird auch zu Hause ankommt.
Ihr seid Experten für euer Kind. Wir sind Experten für autismusspezifische Unterstützung. Gemeinsam entstehen die besten Lösungen.
Was passiert in einer Krise?
Krisen gehören zum Leben – auch zum Leben autistischer Menschen. Bei uns werden Krisen nicht als Versagen bewertet, sondern als Signal: Irgendetwas stimmt gerade nicht.
Wir arbeiten aktiv an Krisenprävention – wir erkennen frühzeitig Belastungszeichen und passen die Förderung an, bevor eine Krise entsteht. Wenn es doch zu einer akuten Situation kommt, reagieren wir deeskalierend, reizreduzierend und sicherheitsorientiert.
Nach jeder Krise erfolgt eine fachliche Nachbereitung – damit wir daraus lernen und die Unterstützung verbessern können.
Wie erfahren wir, was in der Förderung passiert?
Durch regelmäßigen Austausch, monatliche Elterngespräche und Entwicklungsberichte vor jedem Hilfeplangespräch. Wir halten euch auf dem Laufenden – nicht mit endlosen Protokollen, sondern mit dem was wirklich wichtig ist.
Ihr habt jederzeit das Recht zu fragen, nachzuhaken und Rückmeldung zu geben. Wir freuen uns über Feedback – auch wenn etwas nicht gepasst hat.
Autismus als Familie verstehen
Warum verhält sich mein Kind so – und was steckt wirklich dahinter?
Das ist eine der wichtigsten Fragen – und sie verdient eine ehrliche Antwort.
Autistische Kinder nehmen die Welt oft anders wahr als nicht-autistische Menschen. Geräusche können lauter klingen, Licht greller erscheinen, soziale Situationen unvorhersehbarer wirken. Was für andere selbstverständlich ist, kann für ein autistisches Kind echte Anstrengung bedeuten.
Rückzug, Verweigerung, Wutausbrüche, Erstarren oder Wiederholungen sind häufig kein Trotz und kein schlechtes Benehmen – sie sind Ausdruck von Überforderung, Orientierungslosigkeit, Angst oder nicht erfüllten Bedürfnissen.
Wenn wir verstehen, was hinter einem Verhalten steckt, verändert sich alles – die Reaktion, die Beziehung, die Möglichkeiten. Das erleben wir immer wieder mit Familien.
Was ist Masking – und warum ist es wichtig für mich als Elternteil?
Masking bedeutet, dass autistische Menschen lernen, ihre autistischen Verhaltensweisen zu verbergen – um nicht aufzufallen, um dazuzugehören, um Erwartungen zu erfüllen.
Das betrifft besonders Mädchen und junge Frauen, weshalb bei ihnen Autismus oft viel später erkannt wird. Ein Kind das in der Schule „funktioniert" kann zu Hause völlig erschöpft zusammenbrechen – weil es den ganzen Tag maskiert hat.
Was das für euch als Eltern bedeutet: Wenn euer Kind zu Hause schwieriger ist als anderswo, ist das kein Zeichen dass ihr etwas falsch macht. Es ist oft ein Zeichen dafür, dass euer Kind bei euch sicher genug ist, um sich fallen zu lassen.
Wichtig zu wissen:
Masking kostet enorm viel Kraft. Langfristig kann es zu Erschöpfung, Angststörungen und Depressionen führen. Frühe Unterstützung kann das verhindern.
Wie kann ich meinem Kind zuhause helfen?
Das Wichtigste zuerst: Ihr müsst das nicht alleine herausfinden. Genau dafür sind wir da – und genau dafür gibt es das Elterncoaching.
Ein paar Dinge helfen vielen autistischen Kindern im Alltag:
Vorhersehbarkeit schaffen: Klare Tagesstrukturen, Voranküdigungen bei Veränderungen, wiederkehrende Rituale – das gibt Sicherheit.
Reize reduzieren: Weniger Lärm, weniger Unordnung, ruhigere Räume – oft hilft weniger mehr.
Klar und konkret kommunizieren: Einfache Sprache, direkte Aussagen, keine Ironie oder doppelte Bedeutungen – das kommt besser an.
Stärken sehen: Besondere Interessen sind keine Marotten – sie sind Ressourcen. Nehmt sie ernst.
Im Elterncoaching erarbeiten wir gemeinsam genau das, was zu eurem Kind und eurer Familie passt – keine allgemeinen Ratschläge, sondern konkrete Strategien für euren Alltag.
Mein Kind wirkt nach außen hin „normal" – bekommt es trotzdem Hilfe?
Ja. Autismus ist nicht immer sichtbar – und das ist ein häufiges Problem. Viele Familien hören: „Aber der sieht doch gar nicht autistisch aus." Das ist verletzend und falsch.
Autismus ist kein Aussehen. Es ist eine andere Art, die Welt zu verarbeiten. Und die Erschöpfung, die entsteht wenn man täglich gegen seine eigene Neurologie ankämpft, ist real – auch wenn man sie nicht sieht.
Entscheidend für eine Bewilligung ist nicht das äußere Bild, sondern die tatsächlichen Teilhabebarrieren im Alltag. Und die können erheblich sein, auch wenn das Kind nach außen funktioniert.
Ich bin als Elternteil am Limit – wo bekomme ich selbst Unterstützung?
Das ist eine der mutigsten Fragen die Eltern stellen können – und sie ist wichtig.
Eltern autistischer Kinder tragen oft jahrelang eine hohe Last: Kämpfe um Diagnosen und Hilfen, Nächte nach Krisen, das Gefühl allein zu sein. Das zehrt.
Bei uns findet ihr im Elterncoaching nicht nur Strategien für euer Kind – sondern auch Raum für eure eigene Belastung. Wir hören zu, nehmen ernst und entwickeln gemeinsam Wege zur Entlastung.
Darüber hinaus empfehlen wir: Selbsthilfegruppen für Eltern autistischer Kinder, Beratungsstellen für Familien sowie – wenn nötig – professionelle Unterstützung für euch selbst.
Ihr könnt nur für euer Kind da sein, wenn ihr selbst nicht leer seid. Das ist keine Schwäche – das ist Realität.
Hilft mir die Förderung auch dabei, Autismus als Familie besser zu verstehen?
Ja – das ist sogar eines unserer wichtigsten Ziele.
Wir erklären euch, was hinter bestimmten Verhaltensweisen steckt. Wir geben euch Hintergrundwissen zu Reizverarbeitung, exekutiven Funktionen, Masking und Krisendynamiken. Wir zeigen euch, wie ihr als Familie so kommunizieren könnt, dass es für alle leichter wird.
Denn eine Förderung kann nur dann nachhaltig wirken, wenn das ganze Umfeld versteht, womit autistische Menschen täglich umgehen. Ihr seid der wichtigste Teil dieses Umfelds.
Viele Eltern sagen uns nach dem ersten Jahr: „Ich verstehe mein Kind jetzt. Und das hat alles verändert." Das ist unser Ziel.
Kontakt
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📞 03381 / 41080 14
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